Die Grundlagen: Library vs. Framework
Bevor wir in den Vergleich einsteigen, klären wir die Begriffe: React ist eine JavaScript-Library für User Interfaces. Sie kümmert sich um eine Sache – das Rendering von Komponenten – und macht das sehr gut. Alles andere (Routing, Data Fetching, Build-Konfiguration) müssen Sie selbst hinzufügen.
Next.js ist ein Framework, das auf React aufbaut. Es bringt eine komplette Architektur mit: Routing, Server-Side Rendering, API-Routes, Bildoptimierung und vieles mehr. Die Entscheidung für Next.js ist gleichzeitig eine Entscheidung für ein bestimmtes Architekturmuster.
Wann React (ohne Framework) die richtige Wahl ist
1. Single Page Applications (SPAs)
Wenn Sie eine reine Client-Side-Anwendung bauen – etwa ein Dashboard, eine Admin-Oberfläche oder eine App hinter einem Login – brauchen Sie oft kein SSR. React mit Vite oder Create React App reicht völlig aus.
2. Maximale Flexibilität
Mit purem React entscheiden Sie selbst über jeden Aspekt Ihrer Architektur: Welchen Router nutzen Sie? Wie strukturieren Sie Ihre Ordner? Welches State-Management passt? Diese Freiheit kann wertvoll sein, wenn Sie spezifische Anforderungen haben.
3. Integration in bestehende Systeme
Wenn React nur einen Teil einer größeren Anwendung darstellt – etwa ein Widget in einer Legacy-App – ist das Framework-Overhead von Next.js unnötig.
Wann Next.js die bessere Wahl ist
1. SEO ist wichtig
Sobald Suchmaschinen Ihre Inhalte indexieren sollen, wird Server-Side Rendering relevant. Next.js macht SSR trivial: Jede Seite kann serverseitig gerendert werden, ohne zusätzliche Konfiguration.
2. Performance für Endnutzer
Next.js optimiert automatisch:
- Automatisches Code-Splitting: Nutzer laden nur den Code, den sie brauchen
- Bildoptimierung: Das Image-Component komprimiert und skaliert Bilder automatisch
- Prefetching: Links werden im Hintergrund vorgeladen
3. Full-Stack-Anwendungen
Mit API-Routes können Sie Backend-Logik direkt in Ihrem Next.js-Projekt implementieren. Für viele Projekte bedeutet das: Ein Repository, ein Deployment, weniger Komplexität.
4. Schneller Start
Next.js trifft viele Entscheidungen für Sie. Das ist kein Nachteil – es ist ein Feature. Statt Zeit mit Tooling-Konfiguration zu verbringen, können Sie direkt mit der eigentlichen Entwicklung beginnen.
Der Elefant im Raum: React Server Components
Mit React 18 und Next.js 13+ sind Server Components der neue Standard. Sie verändern fundamental, wie wir React-Apps bauen:
- Weniger JavaScript im Browser: Server Components werden nicht an den Client gesendet
- Direkter Datenbankzugriff: Kein API-Layer mehr nötig für einfache Datenabfragen
- Streaming: Die Seite lädt progressiv, statt auf alle Daten zu warten
Wenn Sie Server Components nutzen wollen, ist Next.js aktuell der einfachste Weg.
Unsere Empfehlung
Für die meisten neuen Projekte empfehlen wir Next.js. Der Grund: Sie bekommen eine solide, produktionsreife Architektur ohne Mehraufwand. Selbst wenn Sie anfangs kein SSR brauchen, haben Sie die Option später.
Wählen Sie pures React, wenn:
- Sie eine reine Client-Side-App bauen (Dashboard, Admin)
- Sie React in ein bestehendes System integrieren
- Sie maximale Kontrolle über die Architektur brauchen
Wählen Sie Next.js, wenn:
- SEO relevant ist
- Sie eine öffentliche Website oder Web-App bauen
- Sie schnell starten und weniger konfigurieren wollen
- Sie Full-Stack in einem Repository entwickeln möchten